Improvisationsstudie Nr. 2

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Improvisationsstudie Nummer 2

Einmal hatten wir es bereits bewiesen. Mitte März bis weit in den Sommer hinein harrten die Athleten des Climbing Teams aus, nur darauf wartend bei Besserung der Lage aus ihren Löchern zu schießen und wie gewohnt die Felsgebiete und Kletterhallen zu belagern. Zugegebenermaßen etwas ungeduldig, jedoch mit größtmöglicher Gelassenheit machten wir damals das Beste aus der Situation, ohne Perspektive, dafür mit viel Hoffnung und Tatkraft. Nach einigen vielen Wochen Training zuhause wurde schließlich die sehnsüchtig erwartete Hallenöffnung zur Wirklichkeit. Es folgte, wie es wohl für die meisten, ein Sommer voller Euphorie und trotz weiterhin bestehender und beachteter Regeln auch mit vielfältigen Möglichkeiten. Wir konnten trainieren, in den Urlaub fahren, Wettkämpfe bestreiten. Einige Artikel auf unserer Website „www.climbingteam.de“ berichten davon. Die Herausforderung schien überwunden oder war zumindest in weite Ferne gerückt.

Nun ist aber bekanntlich nicht alles Gold, was glänzt, die Herbst- und Wintermonate waren es jedenfalls nicht. Bereits ab Anfang November holte uns die Wirklichkeit ein, mit aller Macht. Kletterhallen zu, Teil-Lockdown, Kontakte reduzieren, später folgten geschlossene Geschäfte und Schulen, der Rest ist bekannt. Nur was macht eine Gruppe junger Kletterer, die ihre Energie aus Kletterurlauben, Wettkämpfen, Training und dem Zusammensein des Teams an sich beziehen in solch einer Situation? Glücklicherweise ereilte uns die Pandemie nicht vor 50 Jahren, sondern heute, mitten im digitalen Zeitalter. So bleibt uns die Möglichkeit in Kontakt zu bleiben, wenn auch nur virtuell. Und wir nutzen sie, wie schon ein halbes Jahr zuvor!

Die Analogie zur damaligen Lage ist unübersehbar. Nicht nur hat der Lockdown denselben Grund und dieselben Bedingungen müssen für seine Aufhebung gegeben sein, auch die Methoden, die es anzuwenden gilt, um ihn so gut wie möglich zu nutzen, waren die Gleichen. Auch diesmal war wieder Improvisationsfähigkeit gefragt. Man könnte denken die hätten wir bereits gezeigt, scheinbar war aber eine erneute Überprüfung nötig. Und das Climbing Team wäre nicht das Climbing Team, wenn es nicht wieder etwas auf die Beine gestellt hätte. Neben unseren regelmäßigen regulären Trainingseinheiten gibt es zwei neue Highlights. Wöchentliches Yoga-Training zum einen, gelegentliche Special-Trainings zum anderen.

Neben reinem Krafttraining ist es nämlich, vor allem im Lockdown wichtig, auch die Muskeln zu beanspruchen, die im Klettersport nicht primär genutzt werden. Das ist eine wirksame Präventivmaßnahme gegen Verletzungen und gibt dem Körper Stabilität, kann also sogar leistungsfördernd sein. Dieser Vorteil kombiniert mit der Förderung von Beweglichkeit und Gleichgewichtsinn, die beim Klettern essentiell sind, macht Yoga gerade für Kletterer besonders wirksam. Mit dem Glück eines Yoga-Profis im direkten Umfeld zu haben, stand den Yoga-Sessions Dienstagabends nichts im Weg. Und, so das Echo aus der Gruppe, es hilft, kann extrem anspruchsvoll sein und macht dabei außerordentlich Spaß! So werden wir, angeleitet von Mareike Marx, langsam in die Grundlagen des Yoga eingeführt. Fachbegriffe wie „shawasana“ und „chaturanga“ fordern uns dabei genauso wie die eigentlichen Übungen, denn: Selbst die auf den ersten Blick leichtesten Übungen entpuppen sich bei genauerem Hinsehen (und insbesondere beim Ausprobieren) als unglaublich komplex. Vielen Dank an Mareike, die uns die Faszination des Yoga vermittelt und uns so Gelegenheit gibt mit viel Spaß unseren Horizont zu erweitern!

Daneben gibt es noch alle paar Wochen ein Extratraining, mit einer im Gegensatz zum 2x bzw. 3x wöchentlichen Krafttraining eine analytischere Herangehensweise nahe bringt. So kamen wir zum Beispiel in den Genuss eines besonderen Trainings, das sich – gestaltet und organisiert von einem unserer großartigen Trainer Michael Müller – mit individuellen Aufwärmritualen beschäftigte. Auch ein auf mehrere Wochen angelegter Vergleichstest, mithilfe dessen wir unsere körperliche Entwicklung ermitteln konnten, und der für Abwechslung und Motivation sorgte, stand auf dem Plan. Das sind Erfahrungen, die man im regulären Kletterbetrieb eher nicht macht, irgendwo hat der Lockdown dann auch seinen Vorteil.

Doch so viel Spaß wir auch haben, so viel wir erfolgreich improvisieren, eine schnelle Rückkehr zur Normalität wünscht sich jeder unter uns. Und so nutzen wir die Zeit, machen das Beste aus dem uns gegebenen, immer die erneute Hallenöffnung und das schlussendliche Wiedersehen herbeisehnend. Einmal hat es ja bereits funktioniert.

Text: Ben Pfeiffer

Bild(er): aus unserer Trainings-Zoom-Konferenz

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